Lichtverschmutzung

Die Nächte werden immer heller

Lichtverschmutzung / Lichtsmog

 
Das Licht der Sterne, der Planeten und auch das des Mondes erhellt den Nachthimmel auf natürliche Art. Zudem sorgt tagsüber die Sonneneinstrahlung in die Atmosphäre für ein schwaches Selbstleuchten der Atmopshäre bei Nacht durch chemische Prozesse (= Airglow).
 
Doch seit Ende des 19. Jahrhunderts erhellen wir Menschen mit Kunstlicht diese natürliche Himmelshelligkeit bei Nacht zusätzlich. Und zwar in immer größerem Ausmaß, da Licht – weil immer günstiger zu kaufen und zu betreiben (Stichwort LED) – immer inflationärer eingesetzt wird und es gleichzeitig keine klaren Gesetze zur Lichtvermeidung gibt. Jeder darf mehr oder weniger beleuchten so viel er will.
 
Diese menschengemachte Verschmutzung des Himmels durch künstliche Beleuchtung nennt man Lichtverschmutzung, oder auch Lichtsmog oder Lichtmüll (englisch: light pollution). In den Luftschichten um die Erde herum wird dieses Licht dann gestreut und erhellt den nächtlichen Himmel. Die Intensität der Streuung ist umso intensiver, je mehr Blauanteile im Farbspektrum der Lichtquellen stecken. In und um Großstädte herum ist die Lichtverschmutzung mittlerweile so dramatisch, dass kein bis kaum mehr Sterne zu sehen sind – geschweige denn das Band der Milchstraße. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass dieses beeindruckende Band aus abermilliarden Sternen mittlerweile mehr als 1/3 aller Menschen auf diesem Planeten von ihrem Wohnort aus nicht mehr sehen können (bzw. 60 Prozent aller Europäer). Über Ballungsräumen ist der Himmel teils bis über 4000 Prozent heller als der natürlich Nachthimmel ohne irgendeine Lichtverschmutzung. Und durch diese Streueffekte in der Atmosphäre bilden sich derart große Lichtglocken um diese Gebiete herum, die den Himmel noch in weit mehr als 100 Kilometer Umkreis aufhellen. Selbst an noch sehr dunklen Standorten sieht man die fernen Lichter der Städte in Form starker Horizontaufhellung.
 
Pro Jahr wäscht die Lichtverschmutzung durch Kunstlicht mittlerweile um ca. zwei bis drei Pozent weltweit an. Die Nächte werden somit immer mehr zum Tag. Und das hat dramatische Folgen. Wir sehen nicht nur immer weniger Sterne, sondern gefährden Gesundheit und bringen durch die Lichtverschmutzung ganze Ökosysteme zum Wanken. So sterben beispielsweise pro Nacht alleine in Deutschland etwa 1 Milliarde Insekten an den über 8 Millionen Straßenlaternen, die wir entlang unserer Straßen aufgestellt haben an Erschöpfung – und das jede Nacht! Mehr dazu in dem nachfolgend angegebenen Artikel oder unserem Podcast zum Thema Lichtverschmutzung.
 
 
Verlust der Sterne: Die Lichtverschmutzung raubt uns das Weltall

Lichtverschmutzung

Lesen Sie in unserem ausführlichen Artikel alles Wesentliche zum Thema Lichtverschmutzung. Über die Ausmaße, über Auswirkungen auf Menschen, Tiere und Pflanzen – aber auch über Vermeidung von Lichtverschmutzung und wie man ohne auf künstliche Beleuchtung verzichten zu müssen trotzdem Gutes dagegen tun kann. Denn es gibt einfach umzusetzende Lösungen.
 
Im Artikel finden Sie auch interaktive Lichtverschmutzungs-Karten (für Bayern, Deutschland, Europa und Welt), die jeweils den Grad der Lichtverschmutzung durch entsprechende Einfärbungen verdeutlichen.
  

Podcast: Lichtverschmutzung zum Anhören



Aktuelle Lichtverschmutzungskarten Deutschland, Europa, Welt

Anhand der nachfolgenden interaktiven Lichtverschmutzungskarten (jeweils für PC und für Mobilgeräte) können Sie den Grad der Lichtverschmutzung über jedem Gebiet auf dem Globus ablesen (Stand 2016). Gegenüber dem natürlich dunklen Nachthimmel (schwarze Gebiete in den Karten) weichen die Gebiete in dunkelblau um 4-8% ab, die in hellblau um ca. 16-32% ab, die gelben Gebiete schon um 130-256% und die pinken und weißen Gebiete bereits um sagenhafte 2000 bis über 4000%.
[Diese Karten basieren auf Daten, die am 10. Juni 2016 von einem Wissenschafts-Team um Fabio Falchi (inklusive NOAA’s Chris Elvidge and CIRES‘ Kimberly Baugh) veröffentlicht wurden].


 

Die dramatische Entwicklung der Lichtverschmutzung in Europa

 
Die Verschmutzung des Nachthimmels mit künstlichem Licht nimmt immer weiter zu. Diese Animation zeigt die Entwicklung der Lichtverschmutzung in Europa von 1992 bis 2010, die definitiv als dramatisch zu bezeichnen ist.
 
Klicken Sie auf das Foto und bewegen dann einfach den Schieberegler quer über das Foto und machen so den dramatischen Helligkeitsanstieg der Nächte in Europa über 18 Jahre sichtbar.
 

Die beiden Fotos wurden von DMSP-Satelliten aufgenommen, die zu einem Wettersatellitenprogramm der US-amerikanischen Streitkräfte gehören. [Bildquelle: NGDC/DMSP/ESA].
 
 
 



Reduzierung der Lichtverschmutzung – Vermeidung von Lichtverschmutzung: So können Sie mithelfen!

 
Mit moderner LED-Technik ist es mittlerweile relativ einfach möglich, Außenbeleuchtungen so zu gestalten und zu installieren, dass es zu maximal wenig Lichtverschmutzung kommt. Es kann wirklich jeder Einzelne beitragen.
 
Hier unsere Empfehlungen für nächtliche (Außen-)Beleuchtung zur Vermeidung von Lichtverschmutzung:
 

a) Nur gelbliches bis warmweißes Licht (2700 Kelvin)

Möglichst Lampen einsetzen, die gelbliches bis maximal warmweißes Licht abstrahlen. Das bedeutet: Farbtemperaturen von 2200 bis 2700 Kelvin – maximal bis 3000 Kelvin. Das Lichtspektrum solcher Lampen ist in hohem Maße insektenschonend und verursacht in der Atmosphäre (an Wolken, Dunst, Aerosolen und Feuchtigkeit) am wenigsten störende Streueffekte. Auch hemmt gelbliches Licht die für unseren menschlichen Körper so wichtige Melatonin-Produktion (Schlafhormon) am wenigsten. Wenn Licht vor dem Schlafen gehen, dann schwaches und gelbliches/warmweißes. Licht bei Nacht mit vielen/hohen Blauanteilen im Spektrum ist also das Schlechteste, was man sich antun kann (Stichwort: PC-Arbeit bei Nacht, Smartphone-Displays vorm Schlafengehen usw.), weil man den Körper mit Gewalt vom Schlafen abhält bzw. durch eine gehemmte Melatonin-Ausschüttung schlecht und unerholsam schläft.
 

b) Am besten LED-Lampen

Halogenlampen leuchten grundsätzlich alle warmweiß. Doch moderne LED-Lampen gibt es mittlerweile sogar in noch gelblicherem Farbton zu kaufen (nämlich im Bereich 2200 bis 2700 Kelvin) und zudem sind sie deutlich energiesparender als Halogenlampen (und erst recht als normale Glühbirnen). Im Vergleich zu einer Halogenlampe verbraucht eine LED-Lampe bei gleichem Lichtstrom (d.h. gleicher Lumenzahl) etwa 75% weniger Energie. Halogenlampen mit etwa 20-30 Watt sind ersetzbar durch LED-Lampen mit etwa 5-6 Watt.
 

c) Nur nach unten strahlen lassen

Licht durch geeignete Lampen-Gehäuse (= Leuchten) möglichst nur dort hin strahlen lassen, wo es auch wirklich gebraucht wird. Vermeidung jeglicher Abstrahlung zur Seite oder gar noch oben in Richtung Himmel (durch Beleuchtung von z.B. Bäumen oder Hausfassaden mit Bodenstrahlern). Dies kann auch mit LED-Reflektorlampen sehr gut erreicht werden, da die das gesamte Licht größtenteils oder auch komplett (je nach Bauart) nach unten abstrahlen.
 

d) Maximal 500 Lumen Lichtstrom (Lumenzahl: 500)

Bei allen Lampen, die Licht zur Seite und/oder nach oben abstrahlen, sollte die Lumenzahl maximal 500 betragen. Alle Lampen, die mehr als 500 Lumen Lichtstrom abstrahlen, sollten geschirmt/vollgeschirmt sein. Meistens werden viel zu helle, leistungsstarke Lichtquellen eingesetzt.
 

e) Dimmen & automatische Abschaltung

Nutzung von Zeitschaltuhren, Dimmern und/oder Bewegungsmeldern, so dass das Licht nur dann zur Verfügung steht, wenn es auch gerade gebraucht wird bzw. spät nachts dann gezielt reduziert wird. Unglaublich viele Lichtquellen leuchten die ganze Nacht hindurch mit voller Kraft, ohne einen tatsächlichen und vor allem sinnvollen Zweck zu erfüllen.
 

f) Aufpassen bei Flutern

Kippbare Fluter (mit Bewegungsmelder) gibt es mittlerweile nicht nur klassisch mit einer Halogenlampe bestückt, sondern alternativ in immer größerer Auswahl auch mit LED-Lampen. Aber Achtung: die meisten in den Baumärkten angebotenen LED-Fluter haben neutral- oder gar kalteweiße LED-Lampen integriert. Leider muss man sich viel Mühe geben (z.B. im Internet suchen), um warmweiße LED-Fluter aufzustöbern. Für den üblichen Gebrauch an Häusern/Gartenhäuschen usw. reichen LED-Fluter mit etwa 8 Watt Leistung (= etwa 600 Lumen Lichtstrom) völlig aus. Wichtig ist gerade bei solchen Flutern, dass sie maximal weit nach unten geneigt sind, so dass möglichst das gesamte Licht nur dort hin strahlt, wo es tatsächlich gebraucht wird. Zudem sollte man darauf achten, dass der Erfassungsraum des Bewegungsmelders nicht zu weitläufig eingestellt ist, sondern nur dort und dann reagiert, wenn jemand unmittelbar da unterwegs ist, wo er das Licht auch braucht.
 

g) Sich vom günstigen Licht nicht hinreißen lassen

LED-Lampen sind wegen ihres geringen Stromverbrauchs bei gleichzeitig hoher Lichtausbeute immer beliebter und werden (folglich) immer günstiger angeboten. Das führt leider dazu, dass man mehr Licht installiert, als man es hätte mit einem anderen Lampentyp hätte gemacht. Bestes Beispiel: weil so günstig, werden gleich drei Weihnachts-Lichterketten gekauft. Somit erhöht sich auch die abgestrahlte Lichtmenge um das Dreifache. Besser also nur eine Lichterkette und dafür eine tatsächliche Einsparung. Die günstige LED-Technik führt also leider zu einem inflationären Einsatz von Licht.

  
In Kurzform sieht eine Mithilfe zur Reduzierung der Lichtverschmutzung bei Außenbeleuchtungen also so aus: nicht nach oben, abgeschirmt, warmweiß, maßvoll und energieeffizient!
 
Wir von abenteuer-sterne.de sagen Dankeschön zu allen, die sich dem Thema Lichtverschmutzung als ernstes Umweltproblem annehmen und mithelfen, den Nächten durch optimalere Beleuchtung wieder ihre Dunkelheit zurückgeben und damit in vielerlei Hinsicht und großem Ausmaß Mensch und Natur zu helfen.
 


 
 
Verlust der Sterne: Die Lichtverschmutzung raubt uns das Weltall

Leitlinien und Maßnahmen gegen Lichtverschmutzung

 
Dieser Leitfaden zur Reduzierung der Lichtverschmutzung (PDF) gehört zu den derzeit besten Informations-Broschüren, die wir kennen. Nachvollziehbar und sehr plakativ aufbereitet werden hier die Probleme, aber auch die Maßnahmen gegen Lichtverschmutzung in einfacher Sprache dargestellt. Was uns sehr gefällt: das ganze (!) Land Österreich unterstützt diesen Leitfaden und setzt sich somit aktiv und zukunftsorientiert mit diesem wichtigen Thema auseinander. Vorbildlich und nachahmenswert!
 
Wie in Deutschland, so gibt es auch in Österreich für das Thema Lichtverschmutzung keine gesetzlichen Vorgaben. Aus diesem Grund initiierte das Land Oberösterreich diesen österreichweiten Leitfaden, der Empfehlungen für Licht im Außenraum beinhaltet. Dieser soll helfen, die prognostizierte stetige Zunahme der Lichtverschmutzung / Nachtaufhellung einzudämmen.
 
Die Broschüre wurde 2018 von den Ländern in Österreich herausgegeben. Die Autoren sind Experten verschiedenster Disziplinen, beauftragt (inkl. Veröffentlichungs-Zustimmung) von den Landesumweltreferenten Österreichs. Koordination: Heribert Kaineder / Martin Waslmeier, Abt. Umweltschutz (Oberösterreich).
 
 



Losing the Dark – Eine Beitrag der International Dark-Sky Association (IDA)

[vom 04.04.2013]
 
Ein sehr gutes Video zur Problematik der Lichtverschmutzung der International Dark-Sky Association (mit Unterstützung von Dr. Andreas Hänel und Dr. Christopher Kyba, Freie Universität Berlin) in der deutschsprachigen Version (übersetzt von Helga Kuechly, Leibniz Institute of Freshwater Ecology and Inland Fisheries).
 


Aufruf zum Lichtausschalten – Eine Beitrag der Sendung QUER

[vom 18.12.2017]