Lichtverschmutzung

Die Nächte werden immer heller

Lichtverschmutzung / Lichtsmog

 
 


 
Aktuelles Update (11.09.2019):
 

Mit paten-der-nacht.de haben wir ein umfangreiches Projekt zum Thema Lichtverschmutzung (Ursachen, Folgen, Lösungen zur Reduzierung) auf die Beine gestellt. Viele Menschen helfen im Rahmen des Projektes bereits mit, dass dieses Thema in der Bevölkerung ankommt. Denn wir sind der Meinung, dass man Lichtverschmutzung mit relativ einfach Mitteln eindämmen kann und dabei jeder mithelfen kann bzw. aufgrund der enormen Negativ-Wirkungen der Lichtverschmutzung auch sollte.
 
 
 
 


 
 
 
Aktuelles Update (01.08.2019):
 
Gesetz Lichtverschmutzung BayernZum 1.8.19 tritt in Bayern das Gesetz zur Lichtverschmutzung in Kraft, das im Rahmen der Gesetzgebung zum volksbegehren Artenschutz („Rettet die Bienen“) von der Bayerischen Staatsregierung beschlossen wurde. Den genauen Gesetzestext zur Lichtverschmutzung in Bayern haben wir hier in einem BLOG-Beitrag für Sie veröffentlicht.
 
 


 
 
Der Nachthimmel wäre stockdunkel ohne Sterne, Planeten und den Mond. Doch diese Himmelskörper erhellen mit ihrem Licht den Himmel auf natürliche Art und Weise um ein gewisses Maß. Hinzu kommt noch eine weitere, wenn auch schwache Quelle, die den Nachthimmel noch ein klein wenig mehr aufhellt, nämlich das Selbstleuchten der Atmosphäre in der Nacht (auch als „Airglow“ bezeichnet). Es entsteht durch komplexe chemische Prozesse in der Atmosphäre, die dort tagsüber durch Sonneneinstrahlung angeregt werden. Das harte UV-Licht der Sonne spaltet tagsüber Sauerstoffmoleküle in atomaren Sauerstoff auf, der dann nachts unter schwacher Lichtabstrahlung ganz langsam wieder zu molekularem Sauerstoff rekombiniert. Diese beiden Quellen sorgen für die natürliche Himmelshelligkeit, die aber immer gewissen Schwankungen unterworfen ist.
  
Doch seit Ende des 19. Jahrhunderts lassen wir Menschen diese natürliche Himmelshelligkeit durch den Einsatz von Kunstlicht immer noch intensiver erleuchten. Und jeder Technologiesprung intensivierte das Ganze. Den Höhepunkt markiert derzeit die LED-Technik, die wegen extrem günstiger Herstellungskosten und zudem sehr hoher Energieeffizienz (hohe Leuchtdichte bei kleinem Energieverbrauch) einen regelrechten Boom erlebt. Licht wird mittlerweile geradezu inflationär eingesetzt. Zudem gibt es keine klaren Gesetze zur Lichtvermeidung. Jeder darf mehr oder weniger beleuchten was er will, so viel er will und so lange er will. Das meiste Kunst-Licht, dass wir Menschen nachts einsetzen, dient mittlerweile nicht mehr der Sicherheit, sondern ist entweder nur zur Zierde da (beleuchtete Kirchtürme, Hausfassaden, Bäume) oder es brennt schlichtweg aus Gedankenlosigkeit. Der größte Anteil wird also völlig sinnlos verschwendet, was Heizen bei offenem Fenster gleichkommt.
 
Diese menschengemachte Verschmutzung des Himmels mit künstlicher Beleuchtung nennt man Lichtverschmutzung, oder auch Lichtsmog oder gar Lichtmüll (englisch: light pollution). In den Luftschichten um die Erde herum wird dieses Licht dann gestreut und erhellt den nächtlichen Himmel. Die Intensität der Streuung ist umso größer, je mehr Blauanteile im Farbspektrum der Lichtquellen stecken. In und um Großstädte herum ist die Lichtverschmutzung mittlerweile so dramatisch, dass keine bis kaum mehr Sterne zu sehen sind – geschweige denn das Band der Milchstraße. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass dieses beeindruckende Band aus abermilliarden Sternen mittlerweile mehr als 1/3 aller Menschen auf diesem Planeten von ihrem Wohnort aus nicht mehr sehen können (bezogen auf Europäer sind es sogar rund 2/3). Über Ballungsräumen ist der Himmel teils bis über 4000 Prozent heller als der natürlich dunkle Nachthimmel. Durch diese Streueffekte in der Atmosphäre bilden sich derart große Lichtglocken um diese Gebiete herum, die den Himmel noch in weit mehr als 100 Kilometer Umkreis aufhellen. Selbst an noch sehr dunklen Standorten sieht man die fernen Lichter der Städte in Form starker Horizontaufhellung.
 
Pro Jahr wäscht die Lichtverschmutzung durch Kunstlicht mittlerweile um ca. 2 bis 3 Pozent weltweit an (in Europa: ca. 6 Prozent pro Jahr). Die Nächte werden somit immer mehr zum Tag. Und das hat dramatische Folgen …
 

Ökologische Wirkungen

Wir sehen durch die Aufhellung der Nächte nicht nur immer weniger Sterne, sondern gefährden unsere Gesundheit und bringen durch die Lichtverschmutzung ganze Ökosysteme zum Wanken oder gar Kippen. So sterben beispielsweise alleine in Deutschland etwa 1 Milliarde Insekten an den über 7 Millionen Straßenlaternen, die wir entlang unserer Straßen aufgestellt haben – und zwar jede Nacht!!! Sie sterben an Erschöpfung beim orientierungslosen Dauerumfliegen der Lichtquellen. Für manche Insektenarten bilden sie sogar regelrecht Barrieren, die sie nicht mehr passieren. Dadurch werden sie in ihrer Ausbreitung gehemmt und es kommt zur Reduzierung des genetischen Austauschs (mit entsprechenden Konsequenzen für das Ökosystem). Durch den Kunstlichteintrag verschiebt sich in Folge beispielsweise die Räuber-/Beutebeziehung. Dabei haben aber Insekten, die weit mehr als die Hälfte aller Tierraten ausmachen, eine eklatant wichtige Funktion im und für das gesamte Ökosystem: Sie stellen eine sehr wichtige Nahrungsquelle für andere Tiere dar, zählen zu den wichtigsten Pflanzen-Bestäubern, haben eine bedeutende Aufgabe als Verwerter organischer Stoffe (Pflanzenreste, Tierleichen) und viele dienen in der Landwirtschaft als wertvolle Nützlinge. Laut einer Studie aus 2018 sind in den letzten 27 Jahren 75% der Biomasse an Insekten verschwunden. Eine dramatische Entwicklung, bei der die Lichtverschmutzung definitiv eine Rolle spielt, wie man heute weiß. Laut aktuellem Stand der Forschung, ist das Insektensterben mit rund 6% der Lichtverschmutzung zuzuschreiben.
 
Doch nicht nur Insekten werden zu Opfern von nächtlichem Kunstlicht. Zuviel und falsches Licht zur falschen Zeit beeinflusst die Physiologie und das Verhalten von Mikroorganismen (Bakterien, Algen), Wirbel- und Säugetiere und auch das der Menschen. Eine helle Nacht lässt laut aktuellen Studienergebnissen Vögel früher singen, früher geschlechtsreif werden, früher brüten aber auch weniger Nachwuchs bekommen. Im Wasser lebende Bakterien fangen unter nächtlichem Lichtbeschuss bereits nach einem Jahr an plötzlich Photosynthese zu betreiben (erdgeschichtlich betrachtet sind dafür normalerweise Hunderttausende Jahre nötig, bis sich solche Veränderungen in Organismen entwickeln). Tagaktive Fische fressen wegen des Lichts auch nachts. Zugvögel, die sich unter anderem auch am Sternen- und/oder Mondlicht orientieren, zerschellen massenweise aufgrund von Orientierungslosigkeit wegen der vielen blendenen Lichtern in Städten an den dortigen Hausfassaden von Hochhäusern/Gebäuden oder sonstiger Barrieren. Oder sie umfliegen die vielen hellen Lichter immer und immer wieder wodurch sie Energie und wertvolle Zeit auf ihren Reisen verlieren. Dadurch werden Vogelbestände massiv dezimiert. Leidtragend sind auch alle Fledermausarten, die das Licht ihre Quartiere verlieren lässt. Aber auch Pflanzen sind in Form von Wachstumsveränderungen betroffen. So blühen Bäume, die direkt an oder unter hellen Straßenlaternen stehen, früher. Vor allem aber werfen sie dadurch ihr Laub viel später ab, weil ihnen das nächtliche Kunstlicht vorgaukeln, dass noch immer Sommer sei. Frostschäden sind die Konsequenz.
 
Problematisch ist auch die wachsende Zahl von Solarleuchten und Akzentbeleuchtung in Gärten. Einerseits schaffen wir Menschen mit blühenden grünen Gärten regelrechte Mikrobiotope, die bezüglich des Artenschutzes eine sehr wichtige Funktion erfüllen. Doch genau in die rammen wir dann andererseits Solarleuchten, die die ganze Nacht zur Zierde leuchten und die Vielzahl von Lebewesen in diesen Mikrobiotopen stört und irritiert, ja sogar tötet oder vertreibt. Wer sie zur Sicherheit anschafft, der tut gut daran, dass diese mit Bewegungssensoren ausgestatte sind und dabei gleichzeitig nicht kaltweiß leuchten (sondern gelblich), nur wenig hell sind und nur nach unten strahlen.
 

Gesundheitliche Wirkungen

Beim Menschen wird durch das immer verfügbare und vorhandene Kunstlicht die Nacht zum Tag gemacht bzw. erleben die meisten Menschen in der westlichen Welt fast nur noch eine Art Dauer-Dämmerung. Tagsüber bei Sonneschein in kunstlichtbeleuchteten Büroräumen sitzend, abends und nachts in kunstlichtbeleuchteten Wohnräumen den Tag verlängernd. Wie bei den Tieren auch, wird dadurch die innere Uhr, die eigentlich den Wach-/Schlafrhythmus steuert, durcheinander gebracht. Hinzu kommt, dass der blaue Spektralanteil in Kunstlichtquellen die Melatoninausschüttung im Körper hemmt. Melatonin ist das Steuerungshormon für eben diesen so wichtigen Wach-/Schlafrhythmus. Zu viel kaltweißes Licht (also Licht, mit einem hohen Blauanteil) zur falschen Zeit (nämlich abends und nachts) sorgt also dafür, dass wir schlecht einschlafen und/oder schlecht durchschlafen. Dadurch sind die so sehr wichtigen Reparaturmechanismen, deren sich der Körper nachts bedient, in ihrer Wirkung gemindert. Das hat mittel- und langfristig ernsthafte Folgen für die Gesundheit. Zu viel Licht zur falschen Zeit kann bei uns Menschen u.a. dazu führen: Herz-/Kreislauferkrankungen, Diabetes, Übergewicht, Depressionen, Schwächung des Immunsystems, erhöhte Krebsraten.
 
Die Liste der Konsequenzen und der Umfang der Wirkung von nächtlichem Kunstlicht ist lang und wird auch immer länger. Oftmals ist noch nicht eindeutig geklärt, welche Rolle das Licht im Konkreten spielt. Mehr Licht ins Dunkel wird hier die Forschung in den nächsten Jahren bringen. Feststehen tut allerdings, dass (falsches) Licht zur falschen Zeit vielschichtige Konsequenzen hat und wir Menschen gut daran täten, es überlegter, sparsamer, zielgerichteter und sinnvoller einzusetzen. Noch ist bei uns Menschen zu wenig angekommen, dass Licht eben auch eine Schattenseite hat. Und, dass Licht der wichtigste 24-Stunden-Taktgeber für alle Organismen ist, um alle möglichen Vorgänge und wichtige Funktionen zu steuern/regeln. Seit 3 Milliarden Jahren ist dieser tägliche natürliche Hell-/Dunkelrhythmus in allen Organismen dieses Planeten verankert. Und der hat einen Umfang, wie kein anderer Steuerungsmechanismus: Denn zwischen der Beleuchtungsstärke eines sonnigen Tages (bis zu knapp 130.000 Lux) und einer mondfreien stockdunklen Nacht (0,0001 Lux) besteht ein Faktor von 1.300.000.000 (= 1,3 Mrd). Mit jeder Kunstlichtquelle reduzieren wir diesen und glätten damit in Summe den so wichtigen Unterschied zwischen hell und dunkel.
 

Fazit

Wir machen die Nacht immer mehr zum Tag! Das schadet nicht nur unserer Gesundheit, sondern verändert ganze Ökysysteme in ihrer Artenzusammensetzung und jeweiligen Funktion. Zudem verändert es Nahrungsnetze. Die Auswirkungen sind komplex und in jedem Fall schadend. So wie der Regenwald erfüllt auch die Nacht eine essentielle Funktion für alle Organismen. Diese holzen wir mit nächtlichem Kunstlicht gerade ab und zerstören damit unzähligen Organismen ihren Lebensraum. Alles das haben wir Menschen, „Dank“ des elektrischen Lichtes und dem unbedarften, inflationären Umgang damit, in weniger als 150 Jahren geschafft herbeizuführen. ABER, das Gute: Jeder kann etwas dagegen tun. Jeder kann mithelfen, die Nacht Nacht sein zu lassen. Und das mit relativ einfachen Mitteln! (siehe unten der Punkt „Reduzierung der Lichtverschmutzung“).
 
 


 

Schmidt Max, BR, Manuel Philipp
Sterne ohne Ende? Schmidt Max sucht die verlorene Dunkelheit (BR/Freizeit)

Wunderbar aufbereitet und dargestellt hat der Schmidt Max mit seinem BR-Team das Thema Lichtverschmutzung. Was sie verursacht, was sie anrichtet und was man dagegen tun kann. Denn jeder von uns kann hier mit einfachen Mitteln etwas tun, um das massenhafte Kunstlicht nachts einzudämmen.

Hier geht’s direkt zum ► Fernseh-Beitrag: Schmidt Max mit Manuel Philipp vom 24.03.19

 
 
 
Eine weitere, zusammenfassende Übersicht über die Wirkungen und Probleme der Lichtverschmutzung gibt Ihnen auch das nachfolgende Podcast von uns:
 

Podcast: Lichtverschmutzung zum Anhören


Verlust der Sterne: Die Lichtverschmutzung raubt uns das Weltall

Lichtverschmutzung

Lesen Sie in unserem ausführlichen Artikel alles Wesentliche zum Thema Lichtverschmutzung. Über die Ausmaße, über Auswirkungen auf Menschen, Tiere und Pflanzen – aber auch über Vermeidung von Lichtverschmutzung und wie man ohne auf künstliche Beleuchtung verzichten zu müssen trotzdem Gutes dagegen tun kann. Denn es gibt einfach umzusetzende Lösungen.
 
Im Artikel finden Sie auch interaktive Lichtverschmutzungs-Karten (für Bayern, Deutschland, Europa und Welt), die jeweils den Grad der Lichtverschmutzung durch entsprechende Einfärbungen verdeutlichen.
  



Die dramatische Entwicklung der Lichtverschmutzung in Europa

 
Die Verschmutzung des Nachthimmels mit künstlichem Licht nimmt immer weiter zu. Diese Animation zeigt die Entwicklung der Lichtverschmutzung in Europa von 1992 bis 2010, die definitiv als dramatisch zu bezeichnen ist.
 
Klicken Sie auf das Foto und bewegen dann einfach den Schieberegler quer über das Foto und machen so den dramatischen Helligkeitsanstieg der Nächte in Europa über 18 Jahre sichtbar.
 
Die beiden Fotos wurden von DMSP-Satelliten aufgenommen, die zu einem Wettersatellitenprogramm der US-amerikanischen Streitkräfte gehören. [Bildquelle: NGDC/DMSP/ESA].
 
 
 

Aktuelle Lichtverschmutzungskarten Deutschland, Europa, Welt

Anhand der nachfolgenden interaktiven Lichtverschmutzungskarten (jeweils für PC und für Mobilgeräte) können Sie den Grad der Lichtverschmutzung über jedem Gebiet auf dem Globus ablesen (Stand 2016). Gegenüber dem natürlich dunklen Nachthimmel (schwarze Gebiete in den Karten) weichen die Gebiete in dunkelblau um 4-8% ab, die in hellblau um ca. 16-32% ab, die gelben Gebiete schon um 130-256% und die pinken und weißen Gebiete bereits um sagenhafte 2000 bis über 4000%.
[Diese Karten basieren auf Daten, die am 10. Juni 2016 von einem Wissenschafts-Team um Fabio Falchi (inklusive NOAA’s Chris Elvidge and CIRES‘ Kimberly Baugh) veröffentlicht wurden].


 



Reduzierung der Lichtverschmutzung – Vermeidung von Lichtverschmutzung: So können Sie mithelfen!

 
Mit moderner LED-Technik ist es mittlerweile relativ einfach möglich, Außenbeleuchtungen so zu gestalten und zu installieren, dass es zu maximal wenig Lichtverschmutzung kommt. Jeder kann dazu beitragen, Lichtmüll zu reduzieren:
 
Hier unsere Empfehlungen für nächtliche (Außen-)Beleuchtung zur Vermeidung von Lichtverschmutzung:
 
Wie vermeidet man Lichtverschmutzung. Vermeidung von Lichtverschmutzung
 
 

a) Nur gelbliches bis warmweißes Licht (2700 Kelvin)

Möglichst Lampen einsetzen, die gelbliches bis maximal warmweißes Licht abstrahlen. Das bedeutet: Farbtemperaturen von 2200 bis 2700 Kelvin – maximal bis 3000 Kelvin. Das Lichtspektrum solcher Lampen ist in hohem Maße insektenschonend und verursacht in der Atmosphäre (an Wolken, Dunst, Aerosolen und Feuchtigkeit) am wenigsten störende Streueffekte. Auch hemmt gelbliches Licht die für unseren menschlichen Körper so wichtige Melatonin-Produktion (Schlafhormon) am wenigsten. Wenn Licht vor dem Schlafen gehen, dann schwaches und gelbliches/warmweißes. Licht bei Nacht mit vielen/hohen Blauanteilen im Spektrum ist also das Schlechteste, was man sich antun kann (Stichwort: PC-Arbeit bei Nacht, Smartphone-Displays vorm Schlafengehen usw.), weil man den Körper mit Gewalt vom Schlafen abhält bzw. durch eine gehemmte Melatonin-Ausschüttung schlecht und unerholsam schläft.
 

b) Am besten LED-Lampen

Halogenlampen leuchten grundsätzlich alle warmweiß. Doch moderne LED-Lampen gibt es mittlerweile sogar in noch gelblicherem Farbton zu kaufen (nämlich im Bereich 2200 bis 2700 Kelvin) und zudem sind sie deutlich energiesparender als Halogenlampen (und erst recht als normale Glühbirnen). Im Vergleich zu einer Halogenlampe verbraucht eine LED-Lampe bei gleichem Lichtstrom (d.h. gleicher Lumenzahl) etwa 75% weniger Energie. Halogenlampen mit etwa 20-30 Watt sind ersetzbar durch LED-Lampen mit etwa 5-6 Watt.
 

c) Nur nach unten strahlen lassen

Licht durch geeignete Lampen-Gehäuse (= Leuchten) möglichst nur dort hin strahlen lassen, wo es auch wirklich gebraucht wird. Vermeidung jeglicher Abstrahlung zur Seite oder gar noch oben in Richtung Himmel (durch Beleuchtung von z.B. Bäumen oder Hausfassaden mit Bodenstrahlern). Dies kann auch mit LED-Reflektorlampen sehr gut erreicht werden, da die das gesamte Licht größtenteils oder auch komplett (je nach Bauart) nach unten abstrahlen.
 

d) Maximal 500 Lumen Lichtstrom (Lumenzahl: 500)

Bei allen Lampen, die Licht zur Seite und/oder nach oben abstrahlen, sollte die Lumenzahl maximal 500 betragen. Alle Lampen, die mehr als 500 Lumen Lichtstrom abstrahlen, sollten geschirmt/vollgeschirmt sein. Meistens werden viel zu helle, leistungsstarke Lichtquellen eingesetzt.
 

e) Dimmen & automatische Abschaltung

Nutzung von Zeitschaltuhren, Dimmern und/oder Bewegungsmeldern, so dass das Licht nur dann zur Verfügung steht, wenn es auch gerade gebraucht wird bzw. spät nachts dann gezielt reduziert wird. Unglaublich viele Lichtquellen leuchten die ganze Nacht hindurch mit voller Kraft, ohne einen tatsächlichen und vor allem sinnvollen Zweck zu erfüllen.
 

f) Aufpassen bei Flutern

Kippbare Fluter (mit Bewegungsmelder) gibt es mittlerweile nicht nur klassisch mit einer Halogenlampe bestückt, sondern alternativ in immer größerer Auswahl auch mit LED-Lampen. Aber Achtung: die meisten in den Baumärkten angebotenen LED-Fluter haben neutral- oder gar kalteweiße LED-Lampen integriert. Leider muss man sich viel Mühe geben (z.B. im Internet suchen), um warmweiße LED-Fluter aufzustöbern. Für den üblichen Gebrauch an Häusern/Gartenhäuschen usw. reichen LED-Fluter mit etwa 8 Watt Leistung (= etwa 600 Lumen Lichtstrom) völlig aus. Wichtig ist gerade bei solchen Flutern, dass sie maximal weit nach unten geneigt sind, so dass möglichst das gesamte Licht nur dort hin strahlt, wo es tatsächlich gebraucht wird. Zudem sollte man darauf achten, dass der Erfassungsraum des Bewegungsmelders nicht zu weitläufig eingestellt ist, sondern nur dort und dann reagiert, wenn jemand unmittelbar da unterwegs ist, wo er das Licht auch braucht.
 

g) Sich vom günstigen Licht nicht hinreißen lassen

LED-Lampen sind wegen ihres geringen Stromverbrauchs bei gleichzeitig hoher Lichtausbeute immer beliebter und werden (folglich) immer günstiger angeboten. Das führt leider dazu, dass man mehr Licht installiert, als man es hätte mit einem anderen Lampentyp hätte gemacht. Bestes Beispiel: weil so günstig, werden gleich drei Weihnachts-Lichterketten gekauft. Somit erhöht sich auch die abgestrahlte Lichtmenge um das Dreifache. Besser also nur eine Lichterkette und dafür eine tatsächliche Einsparung. Die günstige LED-Technik führt also leider zu einem inflationären Einsatz von Licht.

  
In Kurzform sieht eine Mithilfe zur Reduzierung der Lichtverschmutzung bei Außenbeleuchtungen also so aus: nicht nach oben, abgeschirmt, warmweiß, maßvoll und energieeffizient!
 
Wir von abenteuer-sterne.de sagen Dankeschön zu allen, die sich dem Thema Lichtverschmutzung als ernstes Umweltproblem annehmen und mithelfen, den Nächten durch optimalere Beleuchtung wieder ihre Dunkelheit zurückgeben und damit in vielerlei Hinsicht und großem Ausmaß Mensch und Natur zu helfen.
 


 
 
Verlust der Sterne: Die Lichtverschmutzung raubt uns das Weltall

Leitlinien und Maßnahmen gegen Lichtverschmutzung

 
Dieser Leitfaden zur Reduzierung der Lichtverschmutzung (PDF) gehört zu den derzeit besten Informations-Broschüren, die wir kennen. Nachvollziehbar und sehr plakativ aufbereitet werden hier die Probleme, aber auch die Maßnahmen gegen Lichtverschmutzung in einfacher Sprache dargestellt. Was uns sehr gefällt: das ganze (!) Land Österreich unterstützt diesen Leitfaden und setzt sich somit aktiv und zukunftsorientiert mit diesem wichtigen Thema auseinander. Vorbildlich und nachahmenswert!
 
Wie in Deutschland, so gibt es auch in Österreich für das Thema Lichtverschmutzung keine gesetzlichen Vorgaben. Aus diesem Grund initiierte das Land Oberösterreich diesen österreichweiten Leitfaden, der Empfehlungen für Licht im Außenraum beinhaltet. Dieser soll helfen, die prognostizierte stetige Zunahme der Lichtverschmutzung / Nachtaufhellung einzudämmen.
 
Die Broschüre wurde 2018 von den Ländern in Österreich herausgegeben. Die Autoren sind Experten verschiedenster Disziplinen, beauftragt (inkl. Veröffentlichungs-Zustimmung) von den Landesumweltreferenten Österreichs. Koordination: Heribert Kaineder / Martin Waslmeier, Abt. Umweltschutz (Oberösterreich).
 
 



Losing the Dark – Eine Beitrag der International Dark-Sky Association (IDA)

[vom 04.04.2013]
 
Ein sehr gutes Video zur Problematik der Lichtverschmutzung der International Dark-Sky Association (mit Unterstützung von Dr. Andreas Hänel und Dr. Christopher Kyba, Freie Universität Berlin) in der deutschsprachigen Version (übersetzt von Helga Kuechly, Leibniz Institute of Freshwater Ecology and Inland Fisheries).
 


Aufruf zum Lichtausschalten – Eine Beitrag der Sendung QUER

[vom 18.12.2017]
 

 


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